Nachdem Sie nun wissen, wie Sie in das gewünschte
Verzeichnis wechseln können, soll der Inhalt der
Verzeichnisse auf dem Bildschirm angezeigt werden.
Zunächst muß jedoch sichergestellt werden, daß
sich in Ihrem Anmeldeverzeichnis auch Dateien befinden, die Sie
dann anzeigen können.
Zunächst können Sie eine leere Datei erstellen. Hierzu
dient ein Dienstprogramm mit der Bezeichnung touch
, das Sie vom Shell Prompt aus starten können.
Geben Sie hierzu folgendes ein:
Somit haben Sie in Ihrem Anmeldeverzeichnis eine leere Datei mit
der Bezeichnung foo.bar erstellt, die Sie
gleich anzeigen werden.
Dabei soll auch gleich ein neues Verzeichnis mit dem Befehl
mkdir erstellt werden.
Geben Sie am Prompt hierzu folgendes ein:
Nun haben Sie ein Verzeichnis namens tigger
in Ihrem Anmeldeverzeichnis erstellt. Vom Root-Verzeichnis aus
betrachtet, lautet der absolute Pfadname Ihres neuen
Verzeichnisses
/home/ihrkonto/tigger.
Ihr Verzeichnis ist ein übergeordnetes Verzeichnis von
tigger. (Weitere Informationen über
das Erstellen - und Löschen - von Dateien und
Verzeichnissen finden Sie in Kapitel 14.)
Und nun können Sie loslegen.
Unter dem Betriebssystem DOS können Sie mit dem Befehl
dir den Inhalt von Verzeichnissen anzeigen.
Ein ähnlicher Befehl steht Ihnen auch unter Linux zur
Verfügung - nur mit einigen wichtigen Ausnahmen.
In Linux wird mit dir der Inhalt von
Verzeichnissen nicht vollständig angezeigt. Zudem steht
Ihnen mit diesem Befehl nicht die gleiche Flexibilität und
Leistungsfähigkeit wie bei dem Befehl ls
zur Verfügung, der für diesen Zweck wesentlich
geeigneter ist.
Geben Sie beispielsweise in Ihrem Anmeldeverzeichnis
folgenden Befehl ein:
Geben Sie nun im gleichen XTerm-Fenster folgendes ein:
Die Anzeige auf dem Bildschirm ist identisch (siehe
Abbildung 13-5). Neben anderen Angaben sehen Sie
Ihre neue Datei ( foo.bar) und das neue
Verzeichnis tigger.
Aber hier enden die Ähnlichkeiten auch schon. Auch wenn
dir den Inhalt Ihres Verzeichnisses anzeigt,
sehen Sie doch nicht alles. Selbst wenn Sie den Befehl
ls ohne weitere Angaben verwenden, werden
nicht alle Dateien in Ihrem Verzeichnis angezeigt. Um wirklich
alle Dateien und Unterverzeichnisse in einem Verzeichnis
anzuzeigen, müssen Sie den Befehl in Verbindung
mit bestimmten Optionen eingeben.
Geben Sie beispielsweise im gleichen Fenster, in dem Sie zuvor
die Befehle dir und ls
eingegeben haben, folgendes ein:
Der Unterschied ist nicht zu übersehen. Als Sie die Option
-a hinzugefügt haben, wurde dem System
die Information übermittelt, daß Sie
alle Dateien im Verzeichnis auflisten
wollten (siehe Abbildung 13-6).
Ihnen stehen jedoch noch zahlreiche weitere Optionen für
die Verwendung mit dem Befehl ls zur
Verfügung.
 | Lesen Sie die man-Seite zu ls |
|---|
| | Wenn Sie sich über alle Optionen zum Befehl
ls informieren möchten, können
Sie durch Eingabe des Befehls man ls am
Shell Prompt die zugehörige man-Seite anzeigen. Wenn Sie
die man-Seite drucken möchten, geben Sie am Prompt
man ls | col -b | lpr ein.
|
Wofür benötigen Sie eine solche Vielzahl an Optionen?
Einfach deshalb, weil Sie dadurch genau festlegen können,
welche Informationen Sie anzeigen möchten. Beispielsweise
können Sie festlegen, auf welche Weise Dateien angezeigt
werden oder die Berechtigungen für
den Zugriff auf Dateien ausgeben lassen.
Als Sie ls -a eingegeben haben, ist Ihnen
wahrscheinlich aufgefallen, daß der Name einiger Dateien
mit einem Punkt beginnt. Diese Dateien werden als
versteckte Dateien oder manchmal auch als
Punktdateien bezeichnet.
Bei versteckten Dateien handelt es sich meist um
Konfigurationsdateien, in denen Einstellungen für
Programme, Windowmanager, Shells usw. festgelegt werden. Diese
Dateien werden versteckt, um versehentliche Änderungen
durch den Benutzer zu vermeiden. Außerdem werden Sie
selten nach diesen Dateien suchen wollen, wenn Sie sich den
Inhalt von Verzeichnissen anzeigen lassen. Somit wird die
Bildschirmanzeige übersichtlicher, wenn diese Dateien
verborgen werden.
Alle Dateien, deren Dateiname mit einem Punkt (.) beginnt, sind
versteckte Dateien. Diese Dateien werden mit dem Befehl
ls nicht aufgelistet.
Das Anzeigen aller Dateien kann Ihnen eine Vielzahl an
Detailinformationen vermitteln, doch durch das Angeben mehrerer
Optionen können Sie gezielt die gerade benötigten
Informationen anzeigen.
Wenn Sie die Größe einer Datei oder eines
Verzeichnisses anzeigen möchten, das zugehörige
Erstellungsdatum oder weitere Angaben, können Sie die
Option "long" (-l) an den Befehl
ls -a anhängen.
Dies wollen wir gleich mal ausprobieren. Geben Sie folgendes ein:
Nun werden schon wesentlich mehr Details angezeigt. Sie
können sehen, wann der letzte Zugriff auf die Datei erfolgt
ist, wie groß sie ist, wer ihr Besitzer ist und auf die
Datei zugreifen darf usw.
Sie müssen sich auch nicht in dem Verzeichnis befinden,
dessen Inhalt Sie anzeigen möchten.
Schauen wir uns doch an dieser Stelle den Inhalt des
Verzeichnisses /etc an. Hierzu müssen
Sie folgendes eingeben:
Daraufhin werden umfassende Informationen über den Inhalt
des Verzeichnisses /etc angezeigt.
Wenn Sie die Liste in verschiedenen Farben anzeigen möchten,
müssen Sie lediglich die Option
--color anhängen.
Mit --color wird jedoch nicht nur Ihr
Bildschirm etwas bunter - Sie können anhand der verwendeten
Farben auch erkennen, welche Dateitypen sich in Ihrem
Verzeichnis befinden. Beispielsweise werden Verzeichnisse blau
angezeigt, Programmdateien hingegen grün usw.
Wenn Ihnen diese Art der Anzeige gefällt, können Sie
sie mit der folgenden Methode standardmäßig
verwenden. Im wesentlichen wird hierzu eine weitere Zeile in die
Datei .bashrc im Anmeldeverzeichnis
eingefügt.
Die Datei .bashrc wird von Ihrer Shell bei
der Anmeldung verwendet (ein Beispiel für die Datei
.bashrc finden Sie in Abbildung
Abbildung 13-7).
Bevor wir jedoch fortfahren...
Beachten Sie, daß alle Änderungen an
Konfigurationsdateien zu schweren Problemen mit Ihrem System
führen können, wenn Ihnen beim Ändern ein Fehler
unterläuft und Sie über keine Sicherungskopie dieser
Datei verfügen.
Wenn Sie eine Sicherungskopie anfertigen möchten,
müssen Sie zuerst sicherstellen, daß Sie sich in
Ihrem Anmeldeverzeichnis befinden. Geben Sie dann in einem
XTerm-Fenster folgendes ein:
Dadurch können Sie in Ihr Anmeldeverzeichnis wechseln.
Kopieren Sie dann die Datei .bashrc, und
speichern Sie sie im gleichen Verzeichnis unter einem anderen
Namen wie .bashrc2 ab.
Wenn Sie den obigen Befehl eingeben, teilen Sie Ihrem System
gewissermaßen mit, daß die Datei
.bashrc kopiert und die Kopie unter der
Bezeichnung .bashrc2 gespeichert werden
soll.
Nun verfügen Sie über eine Sicherungskopie der
unveränderten Datei .bashrc in Ihrem
Anmeldeverzeichnis. Wenn Ihnen beim Ändern der Datei ein
Fehler unterläuft oder andere Probleme auftreten,
können Sie die Datei .bashrc durch
folgenden Befehl wieder ersetzen:
Diesen Befehl geben Sie einfach am Shell Prompt ein.
Wenn Sie diesen Befehl eingeben, bedeutet dies, daß eine
Kopie der Datei .bashrc2 angefertigt und
diese Kopie als .bashrc bezeichnet werden
soll. Der Befehl zum Kopieren überschreibt in diesem Fall
die ursprüngliche Datei .bashrc. Die
Kopie der ursprünglichen (und nicht veränderten) Datei
.bashrc2 behalten Sie auch weiterhin unter
der Bezeichnung .bashrc2.
Nachdem nun alle erforderlichen Vorbereitungen getroffen wurden,
öffnen wir .bashrc mit
Pico, einem einfachen
Texteditor. (Ein Texteditor ist ein
kleines Dienstprogramm für das Erstellen oder Bearbeiten
von Textdateien.) Geben Sie in einem XTerm-Fenster folgendes ein:
Nun sollte folgendes auf dem Bildschirm angezeigt werden:
# .bashrc
# User specific aliases and functions
# Source global definitions
if [ -f /etc/bashrc ]; then
. /etc/bashrc
fi
|
Die Datei ist also ziemlich kurz. Die Gatterzeichen
(#) kennzeichnen
Kommentare. Der auf diese Zeichen
folgende Text wird von der Shell ignoriert, ist jedoch
hilfreich, um sich für das Editieren oder Ändern der
Dateien mit deren Inhalt vertraut zu machen.
Positionieren Sie den Cursor unter der Zeile
#User specific aliases and
functions, und geben Sie folgendes ein:
alias ls="ls -al --color"
|
Die vollständige Datei sollte jetzt wie folgt aussehen:
# .bashrc
# User specific aliases and functions
alias ls="ls -al --color"
# Source global definitions
if [ -f /etc/bashrc ]; then
. /etc/bashrc
fi
|
Siehe Abbildung Abbildung 13-8 für
ein Beispiel in Pico
Überprüfen Sie Ihre Eingabe auf mögliche
Tippfehler, und beenden Sie den Editor durch Drücken auf
die Tasten Strg und X , wenn
Sie keine Änderungen mehr vornehmen müssen. An der
Unterseite Ihres Editorbildschirms wird dann folgende Meldung
angezeigt:
Save modified buffer (ANSWERING "No" WILL DESTROY CHANGES)?
|
Drücken Sie die Taste Y für
"Ja". Nun wird eine weitere Meldung angezeigt:
File Name to write: .bashrc
|
Wenn Sie nun die Eingabetaste drücken,
werden die Änderungen in der Datei
.bashrc gespeichert.
Die von Ihnen eingegebenen Änderungen werden erst wirksam,
wenn Sie Ihr aktuelles XTerm-Fenster schließen und ein
neues Fenster öffnen. In diesem neuen XTerm-Fenster
können Sie nun sehen, daß Ihre neuen Einstellungen
berücksichtigt werden.
In der folgenden Liste erhalten Sie einen kurzen Überblick
über einige häufig verwendete Optionen bei
ls. Wenn Sie die gesamte Liste mit Optionen
anzeigen möchten, können Sie für
ls die zugehörige man-Seite mit dem
Befehl man ls aufrufen.
-a -- all. Mit dieser Option werden alle
Dateien im Verzeichnis aufgelistet. Dazu zählen auch
versteckte Dateien ( .Dateiname). Die
Punkte .. und . am
Anfang der Liste beziehen sich jeweils auf das
übergeordnete und das aktuelle Verzeichnis.
-l -- long. Mit dieser Option werden
nähere Angaben über den Inhalt des Verzeichnisses
angezeigt. Dazu zählen unter anderem Zugriffsrechte
(modes), Besitzer, Gruppen, Größe,
Erstellungs-/Änderungsdatum und ob bzw. welche
Verknüpfungen erstellt wurden.
-F -- file type. Mit dieser Option wird
ein Symbol an das Ende jedes Eintrags angefügt.
Folgende Symbole finden hierbei Verwendung:
/ zur Angabe eines
Verzeichnisses, @ für
die Angabe einer symbolischen Verknüpfung mit einer
anderen Datei und *
für die Kennzeichnung einer ausführbaren Datei.
-r -- reverse. Mit dieser Option wird der
Inhalt des Verzeichnisses in umgekehrter Reihenfolge
angezeigt.
-R -- recursive. Mit dieser Option wird
der Inhalt aller Verzeichnisse (unterhalb des aktuellen
Verzeichnisses) in umgekehrter Reihenfolge angezeigt.
-S -- size. Mit dieser Option werden die
Dateien nach Größe sortiert.
Etwas später in diesem Kapitel, wenn wir
Pipes und
E/A-Umleitung behandeln, werden Sie
erfahren, mit welchen weiteren Methoden das Anzeigen des Inhalts
von Verzeichnissen möglich ist.
 | Zusammenfassung |
|---|
| | Um den Inhalt eines Verzeichnisses anzuzeigen, geben Sie
ls am Shell Prompt ein, mit ls -a
wird der gesamte Inhalt eines Verzeichnisses
angezeigt, und mit ls -a --color wird der
Inhalt durch die Verwendung verschiedener Farben
übersichtlich in Kategorien unterteilt.
|